Tätigkeitsbericht 2021 – Überblick

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OFEP – Organic Farmers Exchange Program

OFEP (Organic Farmers Exchange Programme) wurde von Bhutan Network entwickelt, um einen direkten Austausch zwischen bhutanischen und österreichischen Biobäuerinnen und -bauern zu ermöglichen. Der Verein Bhutan Network verfolgt mit OFEP einen alternativen Ansatz zu großflächigen Landwirtschaftsprogrammen und will durch diese direkten Begegnungen die Weiterentwicklung der Biolandwirtschaft in Bhutan fördern.

Mit OFEP werden jungen Menschen Perspektiven und Möglichkeiten zur Biolandwirtschaft in Bhutan eröffnet. Dies soll der großen Landflucht und Jugendarbeitslosigkeit entgegenwirken und eine Aufwertung der landwirtschaftlichen Berufe nach sich ziehen, sowie die regionale Vermarktung stimulieren.

Seit 2013 wird jedes Jahr für junge bhutanische Bäuerinnen und Bauern ein ca. zweimonatiger Studienaufenthalt in Österreich (Salzburg) organisiert, wo sie in der Praxis erkennen können, was Biolandwirtschaft bedeutet, wie sie funktioniert und wo die Vorteile liegen. Durch OFEP soll die Biolandwirtschaft gefördert werden und, im Sinne des Multi-Ressourcen Ansatzes und um zusätzliche Einnahmequellen zu erschließen, die Herstellung und Vermarktung von regionalen Produkten wie Brot, Joghurt, Marmeladen, frisches und getrocknetes Gemüse sowie saisonale Pilze, Tees und Kräuter allgemein unterstützt werden.


Aufgeht’sDeutsch!

Deutsch für Studierende und Reiseleitungen in Bhutan

Das Erlernen einer Fremdsprache fördert das Verständnis anderer Kulturen und Gesellschaften. Außerdem erleichtern Sprachkentnisse den Menschen Kontakte zu knüpfen und sich auszutauschen. Selbst Grundkenntnisse einer Fremdsprache können dabei neue Möglichkeiten eröffnen. Für Bhutaner und Bhutanerinnen ist Deutsch in zwei Bereichen von besonderem Interesse: Tourismus und Hochschulbildung. In beiden Fällen ist es wichtig, dass man in der Lage ist, sich auf kulturell angemessene Weise zu verständigen. Darüber hinaus sind wir der Überzeugung, dass Sprachkenntnisse dazu beitragen, die Gesamterfahrung für bhutanische Reiseleiter und Reiseleiterinnen und ihre deutschsprachigen Gäste zu bereichern.

Mit diesem Programm fördern wir das Erlernen von Deutsch als Fremdsprache in Bhutan. Qualität und Professionalität stehen für uns dabei an erster Stelle.


COVID 19 – Pandemie

Aufgrund der Pandemie mussten wir 2020 und 2021 den BiobäuerInnenaustausch mit Bhutan aussetzen. Mögliche Aus- und Einreisebestimmung in Bhutan und Österreich sowie der eingeschränkte Flugverkehr und das Aussetzen von Visagenehmigungen seitens der Botschaft in Delhi können weiterhin zu Einschränkungen im Jahr 2022 führen.

Allerdings fördern wir umso intensiver vor Ort was Kompetenzentwicklung (skills development), online Austausch und Materialspenden angeht – mit erfreulichen Resultaten!


OFEP in Salzburg

Coronabedingter Ausfall der OFEP-Studienreise im Jahr 2021! Aktivitäten fanden hauptsächlich in Bhutan und online statt.

Materialspenden

2021 lag der Fokus in Bhutan wieder besonders auf wichtigen Kleingeräten für Anbau und zur Ernte und Lagerung von Produkten.

Drukgyel Farmers in Paro:

Grasschneider mit Applikationen für die Reisernte erhielten bedürftige Bäuerinnen rechtzeitig zur Reisernte. Weiters wurde ein Kühlschrank für Dorji Bidha’s Dairy Group gesponsert. Gerade in den unsicheren Coronazeiten ist die sachgerechte Lagerung der Milchprodukte sehr wichtig. Auch ein großes Gewächshaus hilft nun bei dem Anbauen des Wintergemüses.

Für Dorji Bidha’s traditionelle Tauschhandelspartnerfamilie kauften wir 2021 ein neues Zelt. Es wird bei den Seminomaden sehr geschätzt und bietet Schutz vor der Witterung. Ein schöner Bericht dazu findet sich auf unserer Website.

Tang Farmers in Bumthang:

Im neuen großen Kühlschrank kann Tsokey ihre Milchprodukte (Käse, Butter, Milch) länger aufbewahren. Für Ongmo’s Erdbeerfarm halfen wir in Zusammenarbeit mit Bhutan Network USA beim Fundraising für einen Handtraktor. Weiters halfen wir  Ongmo mit einem Kurzbeitrag für eine Ausstellung in der Kunsthalle Karlsruhe. Ongmo produzierte einen Filmclip, in dem sie über ihre Beziehung zu den Erdbeeren und der Landwirtschaft in Bhutan spricht.

Ongmo’s harte Arbeit wurde in Bhutan in einer speziellen Reihe auf Facebook (Humans of Thimphu) öffentlich gewürdigt:

KNC in Zhemgang:

Die Umfrage zu den schmackhaften Gewürzen Kurkuma und Ingwer aus Zhemgang fiel überwältigend positiv aus: Über 95% der Kundinnen und Kunden würden wieder Ingwer und Kurkuma aus Zhemgang kaufen. Es wurde also eine 2. Runde über die gebana access to market Plattform gestartet.

Das Gewächshaus (2020) ist weiterhin im Einsatz und wird unter anderem nun auch für das Aufziehen von Avocado verwendet.

Mandarinen gibt es ab November zur Genüge und während unsere 2020 gespendete Saftpresse hier ordentlich zum Einsatz kommt, haben wir heuer erstmals auch Mandarinenschalen getrocknet und in die Schweiz ins Labor geschickt. Dort wurde ausgezeichnete Qualität festgestellt, besonders, dass die Schalen frei von Pestiziden sind! Wir sind nun dabei den Export zu planen.

Sehr stolz sind wir auch auf das schöne neue KNC Logo, das für ein gutes Branding wichtig ist! Es wurde von BN-Grafikerin Amely Haslauer aus Salzburg (werbemeisterei) entworfen.

Bumthang Chummey:

Sonam Chophel, ehemaliger OFEP-Kandidat in Salzburg, baut nicht nur unsere tollen Gemüsetrockner, sondern er baut nun auch Wintergemüse im neuen Gewächshaus an bzw. zieht die Pflänzchen für die spätere Auspflanzung vor. Im Bhutan Network hat Sonam gelernt, wie wichtig das Netzwerken ist. Er holt sich also die nötigen Infos von unseren ExpertInnen im Ausland und im LW-Ministerium in Bhutan. Auch auf unseren sozialen Mediengruppen wurde dazu rege diskutiert. Unser Ziel war es Trockner in Bhutan bauen zu lassen, da wir somit unnötigen Import vermeiden und Einkommen für unsere jungen Kolleginnen und Kollegen schaffen. Viele sind neben der LW nämlich auch im Tourismus tätig, welcher derzeit stillsteht. Weiters können die Trockner bei Bedarf einfacher repariert werden, denn Sonam kennt sich aus!

Trashigang – Kangpara:

Unseren Verein Bhutan Network kennen inzwischen vielen Bauern und Bäuerinnen im gesamten Königreich. Das Dorf Peydung liegt im abgelegenen Ostbhutan, im Bezirk Trashigang, Gemeindkomplex Kangpara. Unsere Partnerinnen und Partner dort freuten sich über die heiß ersehnte Kettensäge. Holzarbeiten sind nun um einiges leichter und die Möbelherstellung hilft den Dorfbewohnern und -bewohnerinnen mit Extraeinkommen. Während der Pandemie ist etwas Nebeneinkommen sehr wichtig. Der Osten Bhutans ist auch am stärksten betroffen von goongtong („leeres Haus“), der Landflucht einer gesamten Generation von Dorfbewohnern und -bewohnerinnen. Daher liegt es auch im Interesse unseres Vereins, die Gemeinden vor Ort mit Kleingeräten zu unterstützen.

Wangdue Phodrang, Channa Gonpa

2021 haben wir ausgezeichnete Kontakte zu Sabitha Pradhan vom National Mushroom Centre (NMC) Bhutan aufgebaut. Weiters arbeiten wir inzwischen mit einer Bio-Shiitakezuchtgruppe, Channa Goenpa, im Bezirk Wangdue Phodrang zusammen und es wurde ein Memorandum of Understanding (MoU) unterschrieben. Wir leisteten im Jahr 2021 viel Vorarbeit, um mit gebana 2022 schließlich einen Erstexport von getrockneten Bio-Zuchtshiitake sowie vom Steinpilz Boletus reticuloceps (Bumthang, Paro, Haa) zu ermöglichen. Die erste Testladung getrockneter Pilze wird derzeit im Labor in der Schweiz untersucht. Wir freuen uns besonders auf dieses tolle Projekt, da es eine unglaubliche Reichweite hat.

Der Boletus reticuloceps kommt in Bumthang, Paro und Haa vor und kann daher den Gemeinden dort bei einer Einkommensentwicklung helfen. Für Qualitätskontrolle bei der Sammlung dieses Wildpilzes sorgt das NMC. Bei den Bio-Shiitake arbeiten wir mit Kinzang Choden, der äußerst proaktiven und tüchtigen jungen Vorsitzenden der Channa Goenpa Group zusammen. Es steht einem erfolgreichen „Launch“ im Jahr 2022 nichts mehr im Wege.


Öffentlichkeitsarbeit

Schweiz: gebana access to market platform

Crowd-Projekt mit gebana: 2019 und 2021/22 Kurkuma- und Ingwerpulver der KNC aus Zhemgang. Die Lieferung der Ernte 2022 steht noch aus, da noch nicht genügend Bestellmenge erreicht ist.

Für 2022 geplant: Getrockente Steinpilze und Biozuchtshiitake aus Bhutan über die access to market platform.

Medienpräsenz und Vorträge

Schweiz:

Im Namen des Vereins Bhutan Network, besuchte Dr. Ulrike Čokl am 25. November ein InvestorInnentreffen der Firma gebana in der Schweiz. Wir wurden eingeladen Promotionsmaterial zu präsentieren und die Kolleginnen und Kollegen von gebana kennenzulernen. Unser Verein wurde auf der Veranstaltung auch als Beispiel für eine erstmalige erfolgreiche Zusammenarbeit mit Bhutan vorgestellt. Bhutan Network initiierte in der Tat erstmals ein Exportprojekt mit Bhutan über die gebana access to market platform.

Deutschland:

Im Rahmen ihrer internationalen wissenschaftlichen Lecture auf der Humboldt Uni zu Berlin, stellte Dr. Ulrike Čokl auch das Bhutan Network und unsere Aktivitäten kurz vor:

Tibet & Himalaya Lecture Series: Decolonising Himalayan Studies? – Putting Theory into Practice.

Humboldt University Berlin.

Title of lecture: „Thuenlam, Hospitality and the Neypo System- Cultural Hospitality Practices, Tourism and the Economy of Relationships in Bhutan“.

Publikation

2021 wurde eine umfangreiche Publikation der Gaia Foundation in UK herausgegeben: We Feed the World. A celebration of smallholder farmers and fishing communities. ISBN: 978-1-908213-83-9

Unser Bhutan Network Mitglied und Partnerin Roswitha Huber (Schule am Berg) wird darin mit sehr schönen Fotos und unseren ehemaligen OFEP-Kandidaten Tashi Dorji und Ongmo vorgestellt. Das Vorwort zur Ausgabe wurde von Vandana Shiva verfasst.


Sonstiges

Vernetzung in Bhutan

Erfreulich sind die Vernetzungsaktivitäten in Bhutan über Distriktgrenzen hinweg. Auch im Coronajahr 2021 wurden vorübergehend telefonisch und per sozialen Medien Kontakte geknüpft und gepflegt.

Zum ersten Mal wurde eine traditionelle Beziehungsform revitalisiert und von innern heraus an moderne Zeiten angepasst: Bäuerin Dorji Bidha in Paro und Kollegin Kuenzang Choeden in Lhuentse kennen sich nun schon länger über eine unserer Bhutan Network Medienplattformen. Sie beschlossen kurzerhand eine Austauschbeziehung aufzubauen. Dorji Bidha lebt in Paro, wo Chilis gut wachsen und Kuenzang Choeden lebt in Lhuentse, das reich an Früchten ist. Mit den modernen Transportmitteln können die beiden Jungbäuerinnen ihre Produkte nun einfach austauschen. Sie folgen damit der alten „thuenlam“ Praxis im Rahmen des traditionellen „neypo“ Systems. Das Neypo System bezeichnet ein Austauschsystem zwischen Tälern und verschiedenen ökologischen Höhenlagen, welches über Jahrhunderte anwährte. Diese Tradition verschwand in großen Teilen aufgrund der modernen Infrastrukturentwicklung.

2021 vernetzten wir uns auch erfolgreich mit neuen Bauerngemeinschaften in Ost- und Westbhutan und  Institutionen wie dem National Mushroom Centre (NMC) im Landwirtschaftsministerium, sowie der königlichen De-Suung Vereinigung („Hüter des Friedens“).

Vernetzung global: Bhutan Network USA

Wir freuen uns weiterhin, dass es seit 2020 nun auch in Oregon, USA, einen Bhutan Network Schwesterverein gibt. Der Verein wurde mit unserer Hilfe und dem großartigen Einsatz von Ellen Froot gegründet. Ziele und Ansatz sind dieselben wie im Salzburger Verein und wir arbeiten eng zusammen. Geplant sind 2022 wieder Webinare und – falls möglich – Workshops in Bhutan. Es gibt eine rege Zusammenarbeit beim Fundraising und beim Austausch auf sozialen Medienplattformen. Der Verein Bhutan Network USA ist beim geplanten Pilzprojekt dabei!

Aufgeht’sDeutsch! Programm

2021 begannen wir mit unserem Deutsch als Fremdsprache (DaF) Programm Aufgeht’sDeutsch!. Neben zwei Online-Kursen, die auch 2022 erfolgreich weiterlaufen, werden heuer erstmals in Zusammenarbeit mit der De-Suung Vereinigung, die unter der Schirmherrschaft des Königs gegründet wurde, Präsenzkurse in Bhutan stattfinden. Ab April wird in Bhutan der gesamte Anfängerkurs Level A unterrichtet, sofern uns die Pandemie nicht wieder unerwartet einen Strich durch die Rechnung macht.

Unser Bhutan Network hat für die Vereinigung Lektoren und Lektorinnen für die Sprachen Deutsch, Spanisch und Italienisch ab April organisiert. Später sollen noch Französisch und Mandarin hinzukommen.

Das Programm OFEP wird längerfristig durch eine Förderung des Landes Salzburg/ Entwicklungszusammenarbeit, Kooperationen und private Spenden ermöglicht.

Wir danken besonders dem Land Salzburg für die Flexibilität während der Pandemiejahre und für die kontinuierliche Unterstützung unseres OFEP.
Weiters danken wir all unseren Mitgliedern und Unterstützerinnen und Unterstützern herzlich. Dank kommt auch von all unseren Projektpartnerinnen und -partnern aus Bhutan.

© 2022 Bhutan Network